Musik - ein Modell von Freiheit?

Musik - ein Modell von Freiheit?

Wie sonst kann man sich Freiheit vorstellen als in den Klängen vollendeter Kunstmusik? Wie kann der Ausdruck eines entgrenzten Bewusstseins eigentlich noch übertroffen werden, nimmt man die scheinbar mühelos und frei schwingenden, virtuosen Gesten des Musikers in den Blick? Musik galt und gilt immer noch als Symbol des freien Geistes und der Versinnbildlichung einer in Frieden und Freiheit vereinten Menschheit als universelle Sprache der Gefühle jenseits aller Worte. Die nüchterne Betrachtung unserer Musikkultur führt freilich zu völlig anderen Beobachtungen und Fragen. Wenn Musik als Instrument von Propaganda und Folter taugt, so wirft das allein einen tiefen Schatten auf die verklärende Sicht musikalischer Freiheitssymbolik. Gegenwärtige, demokratisch gewählte politische Parteien stellen die freiheitlichen Werte und die kulturelle Vielfalt künstlerischen Schaffens grundsätzlich in Frage. Doch die aus meiner Sicht über(s)teuerte Symbolkultur birgt ein weiter reichendes Problem, da kulturelle Werte das Versprechen von Weltoffenheit nur unzureichend einzulösen vermögen. Auf der Strecke bleibt die musikalische Alltagskultur. Den Schaden tragen aber nicht nur die Träger des öffentlichen Musiklebens, die Musikschulen etwa aufgrund von Privatisierungen oder die allgemein bildenden Schulen durch fehlende Musiklehrkräfte davon. Professionelle Musiker leben unter latenten Gefahren prekärer Beschäftigungsverhältnisse mit allen negativen sozialen und individuellen Folgeerscheinungen, die sogar eine geringere Lebenserwartung von Pop- und Rockstars einschließen. Die Laienmusikkultur stellt indessen, ungeachtet ihrer despektierlichen Bezeichnung, eine wichtige Säule individuellen und sozialen Wohlbefindens dar. Eine wachsende Zahl empirischer Studien zeigt, dass Menschen ungeachtet ihrer sozialen und kulturellen Herkunft, ihres gesundheitlichen Zustands und anderer soziodemographischer Merkmale von gemeinsamem Singen, Tanzen und Musizieren nachhaltig profitieren können. Der Vortrag schließt mit einem Plädoyer für eine Stärkung der musikalischen Bildung kommender Generationen, um die genuin humanen und freiheitlichen Werte kultureller Techniken möglichst allen Mitgliedern einer Gesellschaft nahezubringen. Ein solches Programm kann mit relativ geringen Kosten flächendeckend in Kindergärten und Grundschulen durch die Ausbildung von Multiplikatoren auf den Weg gebracht werden und so den Potenzialen kultureller Vielfalt den ihr angemessenen Raum eröffnen.

Musik - ein Modell von Freiheit?